Naturmedizin ist nicht gleich Naturmedizin

Viele Menschen misstrauen „chemischen Arzneimitteln“ oder „Produkten aus der Pharmaindustrie“. Sie möchten gegen das eine oder andere Problem – körperlicher oder auch seelischer Art – […]

Viele Menschen misstrauen „chemischen Arzneimitteln“ oder „Produkten aus der Pharmaindustrie“. Sie möchten gegen das eine oder andere Problem – körperlicher oder auch seelischer Art – lieber sogenannte Naturmedizin einsetzen. Doch auf diesem weiten Feld gibt es verschiedene Ansätze, die nicht wirklich etwas miteinander zu tun haben. Es ist daher sinnvoll, sich ein wenig näher mit den einzelnen Möglichkeiten zu beschäftigen, um so eine Entscheidung auf Basis von Fakten treffen zu können.

Beispielsweise setzt der eine oder andere Phytotherapie mit Homöopathie gleich. Tatsächlich aber steckt hinter der Pflanzenmedizin (Phytotherapie) ein ganz anderes Konzept als hinter der Idee, Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen (Homöopathie). Bei Letzterer soll ein Mittel Beschwerden lindern, die es beim Gesunden hervorrufen würde. Homöopathie setzt häufig Bestandteile von Pflanzen ein, doch ebenso werden ganz andere Dinge verwendet – etwa Bestandteile von Tieren oder auch Metalle. Zudem verdünnt man die Ausgangssubstanzen so stark, dass am Ende – wie Kritiker anmerken – von ihnen nichts übrig bleibe. Verwendet wird also ein Produkt, das überhaupt kein Molekül von seinen „Inhaltsstoffen“ mehr enthält.

Auch die Bachblütentherapie gilt vielen als Naturmedizin. Zwar geht es hier ausschließlich um Blüten diverser Pflanzen, also um Naturprodukte, doch die werden ebenfalls stark verdünnt. Konkret legt man die Blüten zum Beispiel in eine Schüssel mit Wasser und stellt diese ein paar Stunden lang in die Sonne. Oder man erhitzt sie in kochendem Wasser. Die Theorie ist, dass hierbei die Pflanzenteile „Schwingungen“ übertragen. Nach dieser Prozedur vermischt man das Wasser mit Alkohol, was zu einer Konservierung führt, und verdünnt das Ganze stark.

Anders als bei Homöopathie und Bachblütentherapie arbeitet die Phytotherapie mit relevanten Mengen ganzer Pflanzen oder Pflanzenteile wie Blüten, Samen, Wurzeln, Rinden oder Blättern. Sie werden frisch verwendet, als Aufguss, als Tee oder auch verarbeitet zu Extrakten, Tinkturen oder Tabletten. Wichtig dabei ist die exakt definierte Zusammensetzung. Es regiert also nicht der Zufall, sondern die relativen Mengen der Ausgangsstoffe sind standardisiert. Das Gleiche gilt für die Methoden beim Anbau, der Ernte und der Herstellung. Nur so kann eine genau beschriebene mögliche Wirkung reproduziert werden. Phytopharmaka beruhen meist auf jahrhundertelangen Erfahrungen sowie vielfachem Ausprobieren und Überprüfen.

 

Quellen:

https://www.zeit.de/zeit-wissen/2010/02/Naturmedizin-Leserfragen/seite-4

https://www.avogel.ch/de/homoeopathie/homoeopathie-und-phytotherapie.php

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